MKL S01E09: Umgang mit dem Thema Tod

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[Triggerwarnung: Wie der Titel der Folge schon sagt: Wir sprechen über den Tod und alle anliegenden Themen] Speziell um über den Anfang und das Ende des Lebens zu sprechen, fehlen uns als Erwachsene häufig die Worte. Für Caspar und Patricia ist es deswegen wichtig, schon mit Kindern über das Thema Tod zu sprechen.

Sich auf den Tod vorbereiten bedeutet auch Formalitäten regeln

So richtig möchte man sich seiner eigenen Endlichkeit nicht bewusst sein und deswegen lebt man oft unbekümmert vor sich hin, bis der Tod ins persönliche Leben tritt und dann stellt man fest, dass es nicht nur Trauerarbeit sondern tatsächlich auch allerhand Behördenarbeit für die Angehörigen zu erledigen gibt. Um die Kinder und den Partner zumindest diesen Schritt zu erleichtern, ist es sinnvoll einen Ordner anzulegen, wo alles festgehalten ist: Welche Versicherungen gibt es, wer ist Ansprechpartner, was für laufende Kosten gibt es, welche Konten existieren und nicht zuletzt: Patienten- und Vorsorgevollmacht. Auch ein Testament und einige Hinweise zur eigenen Beerdigung können den Kindern und Partnern helfen.

Kinder auf Beerdigungen

Beerdigungen sind für Patricia ein Teil der Trauerarbeit. Deswegen glaubt sie, dass es Kindern gut tut, daran teilzunehmen. Auch weil sie dann besser verstehen können, was z.B. mit den Erwachsenen los ist, wenn diese weinen oder traurig sind.

Caspar hat seine Kinder auch mitgenommen und dabei beobachtet, dass jedes Kind seine eigene Art hat mit Trauer umzugehen: von Lachen im Sinne von Spannungsabbau bis Einschlafen über aktives Mitmachen durch Sarganmalen kann man im Grunde alles sehen.

Grab(steine) als Orte der Trauer

Sowohl Caspar als auch Patricia haben die Erfahrung gemacht, dass es hilft einen “echten” Ort zur Trauer hat. Speziell Patricia hätte das von sich nicht gedacht und hat für sich daraus abgeleitet, dass zB eine anonyme Grabstätte nicht in Frage kommt, damit die Kinder eben einen Ort haben werden, wo sie hingehen können, um zu trauern.

Tote Menschen sehen

So wie die Beerdigung ein Teil des Abschiednehmens sein kann, kann es helfen zu “begreifen”, dass jemand gestorben ist, wenn man sich den toten Körper anschaut. Den Kindern ist es natürlich freigestellt, ob sie das auch wollen, aber wenn man so rumfragt, stellt sich eigentlich heraus, dass das selten als eine belastende sondern vielmehr unterm Strich gute Erfahrung bewertet wird.

Todesursachen

Kindern ist oft nicht klar, dass es andere Todesursachen gibt als Altersschwäche. Deswegen ist es auch wichtig über Todesursachen zu sprechen. Es ist vielleicht hart, aber auch das Thema Selbstmord sollte offen besprochen werden.

Worte, um den Tod zu beschreiben

Patricia und Caspar verwenden bestimmte, verschleiernde Synonyme zum Thema Tod nicht, damit die Kinder keine Angstzustände bekommen. Wenn jemand entschlafen ist oder von uns gegangen ist, dann kann das Kinder verwirren. Stirbt man dann, wenn man abends einschläft? Warum gehen Menschen ohne irgendwelche Vorzeichen und kommen nie wieder?

Zusammenfassung

  • Patientenverfügung
  • Vorsorgevollmacht
  • Testament
  • Vormundschaft wenn beide Eltern versterben
  • eigene Beerdigung
  • Finanzielle Verpflichtungen und Reserven
  • ein Grab als Ort der Trauer
  • Kinder auf Beerdigungen
  • Tote Körper sehen
  • Totenwache
  • Aktiv am Tod teilnehmen, indem man zB Kreuze für Gräber baut oder Urnen und Särge anmalt
  • Haustiere, die sterben
  • Formulierungen/Synonyme zum Wort “sterben”

Im Gespräch erwähnt

13 Gedanken zu „MKL S01E09: Umgang mit dem Thema Tod

  1. Toll finde ich zu dem Thema auch immer wieder die junge Bestatterin Lea Gscheidel (@fraulea auf twitter und instagram)! Sie hat selbst kleine Zwillinge, die auch mal bei der Bestatterinnenmesse dabei sind und neben Särgen spielen. Das finde ich immer schön zu sehen.

  2. Danke für eure Podcastreihe! Ich hoffe natürlich, dass es eine 2. Staffel geben wird! Als Thema würde ich mir einen Folge zu Sexualität/Körpergefühl etc wünschen. Wie offen geht man damit gegenüber Kleinkindern um, z.B. wenn sie ihren Körper entdecken, Selbstbefriedigung, Nacktheit in der Öffentlichkeit etc.
    Zum aktuellen Thema, die Vorsorgevollmacht steht ganz oben auf der To-Do-Liste, allerdings wollte ich dafür nicht zum Notar. Für mich war folgender Artikel hilfreich:
    https://www.finanztip.de/sorgerechtsverfuegung/

  3. Als mein Vater gestorben ist, war meine Tochter ein Jahr alt und wir haben sie mit in das Krankenhauszimmer zum Verabschieden genommen. Alle Kinder und einige der Enkel, die kommen konnten waren da. Das war eine sehr gute und heilsame Atmosphäre in diesem Zimmer, auch und gerade mit der kleinen zusammen. Sie hat dazu gehört und war in dieser Zeit intuitiv sehr verkuschelt mit ihrer Oma. Das ist sonst gar nicht ihre Art.
    Gerade fängt sie an sehr intensiv nach dem Tod und dem Sterben zu fragen. Sie war dieses Jahr ein par mal mit der Oma an Opas Grab zum einpflanzen und Blumen gießen. Für sie ist das alleine sein ein ganz wichtiges Thema dabei. “Ist der Opa jetzt alleine im Himmel?” “Wir schauen jetzt nach der Oma, damit sie nicht so alleine ist ohne den Opa.” Die Frage: “Wann müssen wir sterben”, hat mich erstmal schlucken lassen. Ihre Bezugserzieherin im Kindergarten hat gemeint, sie fragt mal im Team nach, ob sie dazu mal was machen wollen.
    Danke für euren inspirierenden Podcast zu diesem schwierigen aber so wichtigen Thema.

  4. oh ja, dieses lied “guten abend, gute nacht” hat mich auch heftig traumatisiert: vielleicht auch weil in meiner familie ein durchaus pragmatischer umgang mit vergesslichkeit existiert und da ich halt nie religiös erzogen wurde, war für mich diese zeile halt gott eher so eine art allmächtiger könig, und ich habe nächtelang darüber nachgedacht, wie ich da eine erinnerung hinkriege, dass der nicht einfach vergisst, mich aufzuwecken. bis hin zu lösungsansätzen, dass ich einfach nie schlafe, dann kann er das einfcah nicht vergessen. bis meine eltern schlicht meinen großeltern verboten haben, das lied zu singen.

    ich bin als kind zum glück nur mit dem tod urgroßeltern konfrontiert worden, mit denen ich eher wenig zu tun hatte, und den tod von haustieren, die aber eher kleinerer natur waren und bei denen es auch immer solche trauerrituale gab, also begräbnis mit rede und co.

    im nachhinein hat es aber gezeigt, dass wir alle nicht wirklich auf das thema gut vorbereitet war, denn als dann mein opa starb, hat sich familär herausgestellt, dass wir alle eher gar nicht damit umgehen konnten, und es war gerade für mich als ältestes kind sehr schwer die trauer von mama und oma aufzufangen, bzw die eher fehlgeleiteten trauerversuche. deswegen erscheint es mir wirklich wichtig, das frühzeitig in die erziehung reinzubringen und im gegenteil eher “vorteilhaft” zu sein, wenn ein solches ereignis doch auch mal in der “kindzeit” passiert und dann sozusagen ein gewissenhaftes aufarbeiten stattfindet, als wenn man dann quasi als erwachsener mehr oder minder unvorbereitet trifft.

    denn auch “trauer” scheint eben etwas zu sein, dass man “lernen” – im sinne von “erfahren haben” (im begleiteten sinn) haben – sollte. Auch wenn natürlich der tod von nahen verwandten und freunden jetzt nicht wirklich zu wünschen ist..

    und gerade jetzt als elternteil stelle ich fest, ich müsste wohl tatsächlich besser vorbereiten, für den fall der fälle.

    • Mir ist das ja auch erst durch den plötzlichen Tod meiner Freundin aufgegangen. Das hat mich damals sehr aus der Bahn geworfen. Ich hoffe, ich kann das meinen Kindern ersparen oder wenigstens erleichtern.

  5. Hm. Dieses Lied „Guten Abend gut Nacht“ habe ich immer interpretiert als „Gott entscheidet wann ich aufwache“.
    Demzufolge mich das Lied immer noch sehr. Vielleicht sollte ich es aber meinen Kindern nicht mehr vorsingen, da ich jetzt weiß, welche „Möglichkeiten“ diese Textzeile bietet…

  6. Vielen Dank für all Eure Podcasts und diesen ganz besonders.

    Ich bin als Kind das erste Mal mit dem Thema Tod konfrontiert worden, als in der zweiten Klasse die Mutter meiner besten Schulfreundin unheilbar krank wurde und starb. Ich fand das ziemlich unheimlich und unbegreiflich, dass Mütter sterben können, wenn ihre Kinder noch so klein sind. Die Trauerfeier in der Kirche war grauenvoll, da der katholische Pfarrer in einer Kirche voller Kinder eigentlich nur darüber geredet hat, dass er hofft, dass der Frau die Sünden vergeben werden und sie nicht in Hölle und Fegefeuer verweilen muss – spätestens da war mein Weg zum Atheismus vorgezeichnet. Zum Glück saß meine sehr resolute Mutter neben mir, die mir zuzischte, der Pfarrer sei ja wohl ein “Arsch” und spinne total und die Hölle gebe es sowieso nicht, schon gar nicht für Mütter kleiner Kinder. Nach dem Gottesdienst ist sie dermaßen explodiert…

    Lustig, dass es Euch mit dem Lied “Guten Abend, gute Nacht” auch so geht wie mir – meine Oma hat es immer gesungen und ich dachte immer, oh weh, wenn der morgen mal keine Lust hat, der Gott, dann bin ich tot. Da ich die Melodie sehr mag, habe ich den Text jetzt abgewandelt für meine Kinder: “Morgen früh, wann Du willst” funktioniert wunderbar 😉

    Vor zwei Jahren ist eine Freundin von mir (Mutter von Teenagerkindern) gestorben und ich habe meinen kleinen (3J) Sohn mit zur Trauerfeier genommen, weil wir viel miteinander zu tun hatten, er sie auch mit mir noch im Hospiz besucht hatte usw. und ich wusste, sie hätte das gut gefunden. Mein Freund war dabei und hätte jederzeit mit ihm rausgehen können, wenn es meinem Sohn zu viel geworden wäre, das finde ich wichtig. Er war aber die ganze Stunde in der Kirche ruhig, hat mitgesummt und gekuschelt und nachher waren alle froh, dass ein kleiner Wirbelwind durchs Restaurant lief. Danach hatten wir viele gute Gespräche über das Thema, und ich finde es richtig, das nicht auszuklammern. Er hat die schönsten Sachen dazu gesagt, dass man immer an die Leute denken kann, auch wenn sie nicht mehr da sind. So richtig verstanden, dass diese Freundin wirklich weg ist, hat er erst, als ich gesagt habe, man kann sie da nicht anrufen, weil man keine Handys mitnehmen kann…

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